Die „Wiener Bluse“ Contemporary

Österreichische Modedesigner*innen und Modeschüler*innen zeigen ihre Neuinterpretationen der Wiener Bluse.

Ausstellungs­termine „Wiener Bluse“

17. bis 19. Dezember 2022, Graz

Ort: LENDHAFEN, Lendkai 17 (Mariahilferplatz), 8020 Graz
Öffnungszeiten: Samstag 14-20 Uhr, Sonntag und Montag 10-18 Uhr

28. März bis 15. April 2023, Salzburg

Ort: Galerie im Traklhaus, Waagplatz 1a, 5020 Salzburg
Öffnungszeiten: Samstag 10-13 Uhr, Dienstag bis Freitag 14-18 Uhr

 

Der Ursprung der „Wiener Bluse“

Wiener Bluse wurde als Schlagwort für Marketing der wäscheerzeugenden Betriebe in Wien ab ca. 1890 verwendet. Die Wiener Bluse war bis zum Ersten Weltkrieg ein wichtiger Exportartikel vor allem nach Deutschland und Ungarn. Auch nach Frankreich und Italien wurden Wiener Blusen exportiert. So schrieb die Neue Freie Presse am 13. Dezember 1903 im Zuge der Eröffnung einer Filiale von Braun & Co in Berlin: „Die Wiener Bluse ist heutzutage ein unentbehrliches Kleidungsstück der Berlinerinnen geworden. Es prangt in Theatern, Konzerten wie in den Ballsälen und bei Spiel und Sport. Die vielseitige Verwendbarkeit der Wiener Bluse erklärt sich dadurch, daß sie alle Vorzüge besitzt, welche nur an ein Kleidungsstück gestellt werden können. Sie ist kleidsam, einfach und besitzt eben den eigenen Wiener Chic.“

Die Wiener Bluse zeichnete sich durch die Verwendung von qualitativ hochwertigem Material und feinste Handarbeit wie Ajour, Schlung­stichstickerei, Stickerei, Fileteinsätze und Spitzen aus. In Wien arbeiteten 50.000 fast ausschließlich Frauen in Heimarbeit für die Blusenindustrie. (Die Zeit, 27. Nov. 1905)

Es zeichnete sich bald ein Konkurrenzkampf zwischen Genossenschaft der Kleidermacher und Genossenschaft der Wäscheerzeuger ab. Die Kleidermacher forderten, dass die Wäscheerzeuger keine Blusen anfertigen durften. Damit hätten tausende Heimarbeiterinnen ihre Existenz verloren und ein wichtiger Exportartikel wäre verlustig gegangen. Letztendlich gab die Wiener Handels-und Gewerbekammer ihr Gutachten, dass die Blusenerzeugung als freies Gewerbe zu betrachten sei und die Erzeugung beiden Genossenschaften zustünde. (Neue Freie Presse 12. Mai 1910)

Regina Karner

Rositta – die feine „Wiener Bluse“

Rositta Modellwäsche wurde 1946 in einem Atelier in der Weihburggasse 4 im 1. Bezirk in Wien gegründet. Spezialität war die Wiener Bluse – von Hand gearbeitet und bestickt. Bis in die 1960-er Jahre wurde das exklusive Kleidungsstück an renommierte Department Stores in Europa und Amerika geliefert. In seiner Hoch-Zeit – in den 1960er Jahren – beschäftigte das Unternehmen 100 Mitarbeiter*innen in Wien und zusätzlich 300 Heimarbeiter*innen für Stickereien. Zweimal jährlich wurden Kollektionen mit 250 Teilen entwickelt und weltweit exportiert. Vor dem Durchbruch der Prêt-à-Porter Ende der 1960-er Jahre waren Florenz und Rom die wichtigsten Modezentren. Rositta Modellwäsche wurde u.a. in Florenz ausgestellt und erhielt Bestellungen aus Belgien, Deutschland, England, Frankreich und dem arabischen Raum. Als ein Händler aus Texas zur Kollektionspräsentation nach Wien kam, folgten erste Lieferungen in die USA. In den 1970-er Jahren verhallte der Ruf der Wiener Bluse allmählich und das Unternehmen ging zur Kreation feiner Abendblusen über.

Die Corporate Identity wurde gleich nach Unternehmensgründung festgelegt und blieb über 70 Jahre lang unverändert: Das handgezeichnete Graphikdesign wurde auf Briefpapier und Verpackungen gedruckt. Auch die Kartons wurden damit beklebt. Urheber war der Graphiker Theo Leissert, der mit Motiven wie dem Riesenrad und dem Stephansdom den Wienbezug herstellte.

Johann Ludwig, Sohn der Unternehmens­gründer, war 50 Jahre im Unternehmen tätig und für die Kollektionsentwicklung verantwortlich. 1976 trat seine Ehefrau Ingeborg ins Unternehmen ein. Sie organisierte den Verkauf und arbeitete zeitweise selbst im Geschäft auf der Kärntner Straße, um Trends und Kund*innenwünsche zu verstehen. 2016 wurde das Unternehmen geschlossen.

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Die „Wiener Bluse“ neu interpretiert

Das AUSTRIAN FASHION BOARD holt die Wiener Bluse in zeitgemäßer, moderner Interpretation durch Österreichs Modeschaffende wieder vor den Vorhang. Modedesigner*innen und Mode­schüler*innen zeigen ihre Neuinterpretationen der Wiener Bluse in weißen Stoffen. Die Entwürfe bilden eine breite Palette vom traditionellen Handwerk bis zur avantgardistischen Reduktion.

Die 33 Blusen wurden von der Mode­historikerin Regina Karner und der Modejournalistin Brigitte Winkler aus über 70 Einreichungen kuratiert und stammen von den Labels

SABINE KARNER, Wien
KAYIKO, Wien
Katharina Reuschel, Wien
POLLSIRI, Wien
Shakkei, Wien
art point, Wien
BUGARIC, Wien
MD Modedesign, Wien
alwa petroni, Niederösterreich
wienerkleid, Wien
mangelware, Wien
Cindy Fodor, Wien
MarS, Wien
Cha·rạk·ter Couture, Wien
Evelin Grubbauer, Wien
Marie Wagner, Oberösterreich
Elisabeth Sommerbauer, Steiermark
Cerwenka, Steiermark
Julia Lara KÖNIG, Wien
No One’s Own, Wien
christA franZ, Steiermark
Inge Matuschek, Steiermark
Nina Kollmann-Troy, Steiermark
KLAR – Klara Neuber, Wien
Eve Sarge, Wien
Sylvie T., Wien
Atelier Birgit Pachler, Steiermark

und der

Modeschule Graz, Steiermark.

 

Foto @ Johannes Kernmayer